Friedrich Graf

Friedrich Graf

Die Tourismuswirtschaft braucht neue Konzepte

Tatsache ist, dass der Tourismus in Österreich einen sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt. Mit einer Wertschöpfung von mehr als 16 Mrd. Euro (2004) trägt er mit ca. 6,7% zum BIP bei. Rechnet man dazu die Nebeneffekte wie Freizeitwirtschaft und Produktion für den Freizeitbereich, kommt man auf eine Wertschöpfung, die bei rund 35 Mrd. liegt.

Quo vadis Reisender?
Gute Zahlen, die sich aber nur vordergründig wirklich gut anhören. In Österreich ist der Tourismus zweigeteilt: Sommer und Winter.
Zur Zeit schwächelt die größte Klientel des österreichischen Tourismus erheblich: Die Deutschen kommen seltener und bleiben kürzer. Die Zahlen im Winter sind gut und haben sogar leicht steigende Tendenz. Die Zahlen im Sommer, traditionell sehr stark an den Kärntner Seen und Bergen, im Burgenland rund um die pannonische Lacke und an den Füßen der Berge im Ländle, sinken konstant. Die Konkurrenz dafür ist nicht irgendeine Idylle in Deutschland, der Schweiz oder mittsommerliche Landschaften in Skandinavien. Auch Italien und Frankreich sind kaum Konkurrenz. Die wahren Mitbewerber für die bisher bei den deutschen Nachbarn so beliebten Landschaften Österreichs sind Billigangebote in der Türkei, Lockangebote in Spanien, Nordafrika oder Superpreisangebote in Griechenland und zunehmend auch Destinationen im ehemaligen Osten, wo man es auf Grund minimaler Personalkosten und Billigstbauweise richtig billig gibt.

Wie schauen die Strukturen in Österreich aus?
-    Föderalistische Organisationen mit Tourismusverantwortung auf politischer Ebene
-    Finanzschwache Hotels und Beherbergungsbetriebe die nötigen
Infrastrukturmaßnahmen nicht schaffen
-    Oftmals überalterte Gäste, die seit Jahrzehnten kommen ? und irgend wann auch wegbleiben
-    Starre ?Gemeindestuben? die neuen Projekten oftmals sehr skeptisch gegenüberstehen
-    Zugeringes eingehen auf neue Trend und verändertes Konsumentenverhalten
-    Zuwenig Attratktivität um ?in? zu sein

Wege aus der Sackgasse.
Österreichs Tourismus braucht dringend Impulse. Junge Gäste müssen her, denn sie sind die Familien-, Single- oder Gruppenreisenden von Morgen. Die Strukturen müssen in den Bundesländern angepasst werden, bevor der letzte Flieger in die Türkei abhebt und Touristen dort die Volkswirtschaft beleben. Ein Umdenken muss auf Ebene der Verantwortlichen und beim Beherbergungsgewerbe stattfinden, damit es zukünftig nicht leere Zimmer im Überfluss gibt.

So absurd es klingen mag unter dem Begriff ?Junge Gäste? subsumieren sich auch immer mehr ältere Menschen. Wer will schon als alt gelten? So fühlen sich heute 50-jährige noch als jung.

Tourismusverantwortliche sollten sich über nachstehende Grundsatzfragen Gedanken machen.
-   Ist das regionale Tourismusangebot auf ?jung? zugeschnitten?
-   Ist die Ortsjugend in Konzeptüberlegungen eingebunden ? oder entwickeln 65-jährige Konzepte für die Jugend
-    Welche Tourismuspositionierung  ist derzeit festgelegt oder vorhanden?
-   Wie will und kann man jugendliche Zielgruppen ?locken? und ?pflegen? und ?aufbauen??
-   Wie ist der USP und welche Dinge kann und soll man konsumieren?
-    Welche Angebote für das Klientel ?Jungere? gibt es?
-   Gibt es überhaupt ein Regionen-Strategie-Konzept und sind diese nicht zu allgemein und unverbindlich?

Österreichs Wirtschaftsberater haben die Ideen, von denen die Tourismuswirtschaft noch viel zu wenig Gebrauch machen weil man immer noch nach der Devise der Gutsherren arbeitet: Ich weiß genau was für mich das Beste ist und deshalb bleibt alles beim Alten.



Friedrich Graf Unternehmensberater
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